Die Gangreserveanzeige der North Flag hilft vor allem vor einer Tragepause: Sie macht den Aufzugszustand sichtbar. Die Herstellerangabe von etwa 70 Stunden beschreibt dagegen die Laufzeit nach entsprechendem Aufzug. [1, 2] Für die Planung braucht man beides: den Ausgangszustand und die Länge der Pause.
Geltungsbereich: Gemeint ist die originale North Flag 91210N von 2015 mit Kaliber MT5621. [1] Die heutige Tudor-Modellseite zeigt die zweite Generation mit GMT-Funktion und MT5652-U. [3] Prüfen Sie beim Nachschlagen deshalb die Referenz und die Anzeige auf dem Zifferblatt.
Die Anzeige bei 9 Uhr zuordnen
Bei der 91210N sitzt die Gangreserveanzeige links bei 9 Uhr, das Datumsfenster rechts bei 3 Uhr. Die Reserve wird über eine Scheibe dargestellt. [1] Auf der Herstellerabbildung ist deren weiße Markierung am gelben Skalenbogen erkennbar. Dieser Bogen trägt keine bezifferte Stundenskala.
Lesen Sie die weiße Markierung im Verhältnis zum Bogen. Die breiter werdende gelbe Fläche stellt grafisch die zunehmende Reserve dar; das schmale Ende steht für den niedrigen Bereich. Diese Einordnung der Abbildung hilft beim schnellen Blick, ersetzt aber keine gemessene Restlaufzeit.
Eine Stellung ungefähr in der Mitte sollte daher nicht als Zusage „noch genau 35 Stunden“ gelesen werden. Ebenso wenig ist die Reserveanzeige ein Maß für die Gangabweichung. Für die Frage „Wie spät ist es?“ bleiben die zentralen Stunden- und Minutenzeiger zuständig; für „Wie viel Energie ist noch vorhanden?“ die kleine Anzeige links.
Etwa 70 Stunden: Ein Wochenendbeispiel richtig einordnen
Tudor nennt für das MT5621 ungefähr 70 Stunden Gangreserve. [1, 2] Ein einfaches Rechenbeispiel zeigt, welche Pause damit gemeint sein kann. Wir nehmen denselben Ort ohne Zeitumstellung an:
| Zeitpunkt | Seit dem Ablegen vergangen |
|---|---|
| Freitag, 18:00 Uhr | 0 Stunden |
| Sonntag, 18:00 Uhr | 48 Stunden |
| Montag, 08:00 Uhr | 62 Stunden |
Rechnerisch liegen zwischen 62 und 70 Stunden acht Stunden. Das ist keine zugesicherte Reserve am Montagmorgen: Wer die Uhr am Freitag bereits mit niedrigem Aufzugszustand ablegt, startet nicht mit dem vollen Vorrat. Auch die ungefähre Herstellerangabe wird durch die Rechnung nicht zu einem exakt gemessenen Wert.
Praktisch empfiehlt sich deshalb ein Blick auf die Anzeige, bevor die North Flag für eine andere Uhr in die Schublade wechselt. Die grundlegende Unterscheidung zwischen Startaufzug und Vollaufzug erläutert unser Beitrag Automatikuhr aufziehen und Gangreserve verstehen. Dort genannte Drehzahlen anderer Hersteller sind keine Vorgabe für das MT5621.
Handaufzug: Die gelöste Kronenposition B verwenden
Die historische North-Flag-Anleitung bezeichnet die verschraubte Stellung als A und den Handaufzug als B. Sie sieht vor dem ersten Gebrauch oder nach Stillstand einen manuellen Aufzug vor. [2, S. 12–13]
- Krone lösen: Die Verschraubung vollständig öffnen. Zum Aufziehen in der gelösten Grundstellung B bleiben; keine Einstellraststufe herausziehen.
- Von Hand aufziehen: Die Krone im Uhrzeigersinn drehen. Die Gegenrichtung bewirkt laut Anleitung keinen Aufzug.
- Wieder verschließen: Die Krone leicht zum Gehäuse drücken und behutsam im Uhrzeigersinn einschrauben. Das Gewinde sorgfältig schließen.
Diese drei Schritte fassen den Handaufzug aus der Modellanleitung zusammen. [2] Eine feste Zahl von Kronendrehungen ergänzt der Beitrag nicht. Bei ungewöhnlichem Widerstand keine zusätzliche Kraft einsetzen; Hinweise zum Ansetzen des Gewindes enthält Verschraubte Krone lösen, einstellen und schließen.
Was Sie nach einer Tragepause kontrollieren sollten
- Die Uhr läuft noch: Uhrzeit und Datum mit einer verlässlichen aktuellen Anzeige vergleichen und den Reservestand ansehen. Weiterlaufen und korrekte Einstellung sind zwei getrennte Fragen.
- Die Uhr steht: Nach dem Handaufzug auch Uhrzeit und Datum nach der passenden Modellanleitung einstellen. Neu zugeführte Energie korrigiert keine während des Stillstands verlorene Zeit.
- Die Anzeige verhält sich auffällig: Notieren, wann die Uhr abgelegt, getragen oder aufgezogen wurde. Bleibt eine Unstimmigkeit bestehen, die konkrete Uhr prüfen lassen; aus einem einzelnen Foto lässt sich kein Defekt bestimmen.
Unsere Einordnung: Gerade bei wechselnd getragenen Uhren ist die sichtbare Reserve nützlich. Sie lenkt den Blick auf den tatsächlichen Ausgangszustand, bevor man sich auf eine lange Nennlaufzeit verlässt. Für diesen Alltagszweck genügt die grobe Orientierung; eine eigene Laufzeitprüfung beantwortet eine andere Frage.
Quellen und Geltungsbereich
- [1] GPHG: Tudor North Flag, Modellpräsentation 2015 – Referenz 91210N, Herstellerbeschreibung und Abbildungen; MT5621, Anzeigeprinzip und Gangreserve.
- [2] Tudor: historische North-Flag-Gebrauchsanweisung (PDF, Englisch) – Kopie bei Manuals+; gedruckte S. 10–13 zu Anzeige und Aufzug, entsprechend PDF-Dateiseiten 14–17.
- [3] Tudor: aktuelle Northflag-Modellfamilie – dient hier ausschließlich zur Abgrenzung der zweiten Generation mit GMT-Funktion.
Quellen geprüft am 22. Oktober 2026. Die Modell- und Bedienangaben betreffen die genannte Originaluhr. Kalenderrechnung und Alltagshinweise sind redaktionelle Einordnung; eine eigene Messung oder Bedienprobe der 91210N liegt diesem Beitrag nicht zugrunde. Historische Garantiebedingungen werden nicht als heutige Zusage übernommen.