Rubine im Uhrwerk sind Funktionsbauteile. Als Lagersteine helfen sie, Reibung und Verschleiß gering zu halten. [1] Eine Angabe wie „25 Jewels“ bezeichnet eine Stückzahl im Zusammenhang mit dem Werk, nicht das Karatgewicht oder den äußeren Steinbesatz einer Uhr.
Warum werden synthetische Rubine verwendet?
NOMOS erläutert, dass in Uhrwerken gebohrte und ungebohrte Rubine eingesetzt werden und seit dem frühen 20. Jahrhundert fast ausschließlich künstlich hergestellte Rubine Verwendung finden. Der Hersteller nennt ihre gleichmäßige Beschaffenheit und gute Bearbeitbarkeit. [1]
Der Zweck liegt hier in der technischen Funktion. Wer eine Angabe zu Werksteinen liest, sollte sie deshalb von Angaben zu Schmucksteinen auf Zifferblatt, Lünette oder Gehäuse trennen. Aus dem Wort „Rubin“ allein lässt sich weder die Aufgabe im Werk noch die Ausstattung der äußeren Uhr ableiten.
Nicht jeder Werkstein erfüllt dieselbe Aufgabe
Die folgenden Beispiele beschreiben unterschiedliche Anwendungen. Die Zeilen bilden keine vollständige Teileliste und dürfen nicht zu einer vermeintlichen Standard-Steinzahl addiert werden.
| Bauteil oder Anwendung | Beschriebene Aufgabe | Einordnung |
|---|---|---|
| Lagerstein | Gebohrte oder ungebohrte Rubine dienen dazu, Reibung und Abnutzung zwischen Werkteilen zu verringern. [1] | Die konkrete Form und Einbaustelle gehören zur Konstruktion des Werks. |
| Lochstein und Deckstein im beschriebenen Incabloc-Lager | Der Zwischenraum bildet einen geformten Bereich für den Schmierstoff. [2] | Mehrere Steine können zu einer Lagerbaugruppe gehören. Steinzahl und Zahl der Lagerstellen sind daher nicht einfach gleichzusetzen. |
| Ankerpaletten beim NOMOS-Swing-System | Zwei Paletten aus synthetischem Rubin greifen abwechselnd in die Zähne des Ankerrads ein. [3] | Sie sind funktionale Kontaktflächen der Hemmung; ihre Aufgabe unterscheidet sich von der Lagerung eines Wellenzapfens. |
Beim Incabloc-Beispiel arbeiten die Lagerteile mit Führung und Feder zusammen. [2] Wie dieses Zusammenspiel auf einen Stoß reagiert, erklärt unser Beitrag Stoßsicherung im Uhrwerk: Funktion und Grenzen.
Mehr Steine bedeutet nicht automatisch mehr Qualität
Bereits innerhalb einer Marke unterscheiden sich die Zahlen: NOMOS nennt in seinem Glossar je nach Uhrwerk 19 bis 42 Rubine. [1] Diese Spanne beschreibt die dortigen Werke und ist kein Sollbereich für andere Hersteller.
Unsere Folgerung für einen Vergleich: Die Gesamtzahl allein erklärt weder die Lage der einzelnen Steine noch die Ausführung und den heutigen Zustand der Bauteile. Eine höhere Zahl ist deshalb für sich genommen kein Nachweis besseren Gangs oder längerer Lebensdauer. Aussagekräftiger ist die Frage, welche Funktionen und Lagerungen das konkrete Werk besitzt.
Auch eine übereinstimmende Zahl identifiziert ein unbekanntes Werk nicht eindeutig. Für historische Snyper-Angaben hilft unser Vergleich der dokumentierten Kaliber F100 und F101, Steinzahl, Funktionen und weitere Merkmale jeweils ihrer Quelle zuzuordnen.
Lagersteine machen eine Uhr nicht wartungsfrei
Incabloc beschreibt ausdrücklich die Schmierung seiner Lagerbaugruppe. [2] Seiko erläutert, dass gealtertes Öl und verschlissene Werkteile Gangprobleme oder Stillstand verursachen können und bei einem Service kontrolliert, gereinigt beziehungsweise bearbeitet werden. [4]
Aus einer hohen Steinzahl lässt sich daher kein Wartungsintervall ableiten. Eine eingravierte Zahl bestätigt ebenso wenig, wann die Uhr zuletzt überholt wurde. Welche Nachweise und Leistungen sinnvoll zu klären sind, behandelt unser Leitfaden zu Wartung, Revision und Reparatur.
Vier Schritte zum Lesen einer Steinzahl
Diese Checkliste ist eine redaktionelle Hilfe zum Vergleich von Unterlagen. Die Uhr muss dafür nicht geöffnet und kein Stein selbst gezählt oder nachgeölt werden.
- Kaliber und Ausführung zuordnen. Die Angabe zum konkreten Werk suchen. Ein Modellname allein reicht bei unterschiedlichen Baujahren oder Ausführungen nicht immer aus.
- Zahl und Quelle festhalten. Die genannte Steinzahl zusammen mit der zugehörigen Unterlage notieren. Bei einer Archivquelle auch den erfassten Stand nennen; widersprüchliche Zahlen zunächst getrennt lassen.
- Die Funktion prüfen. Erklärt die Unterlage nur eine Gesamtzahl oder auch den Aufbau? Aus einer zusätzlichen Zahl keinen bestimmten Lagerort oder eine neue Funktion erraten.
- Zustand gesondert beurteilen. Servicebelege und konkrete Beobachtungen zur Uhr getrennt von den historischen Konstruktionsdaten festhalten. Eine Steinzahl ersetzt keinen Befund zum heutigen Exemplar.
Quellen und Arbeitsweise
[1] NOMOS Glashütte: Glossar, Abschnitt „Lagerstein“ – Funktion, synthetische Rubine und markenbezogene Zahlenangabe.
[2] Incabloc: Shock absorbers, insbesondere „Lubrication“ – Lochstein, Deckstein und Schmierstoffraum im beschriebenen System.
[3] NOMOS Glashütte: NOMOS swing system – synthetische Rubinpaletten und ihr Eingriff in das Ankerrad.
[4] Seiko: Hinweise zum regelmäßigen Service – gealtertes Öl, verschlissene Teile und Werkprüfung.
Quellenstand: 13. Oktober 2026. Grundlage sind Herstellerunterlagen; Vergleichshinweise und Checkliste wurden redaktionell erstellt. Es wurden für diesen Beitrag keine Snyper-Werke geöffnet, Werksteine gezählt oder vergleichende Gang- und Verschleißtests durchgeführt.
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