28.800 Halbschwingungen pro Stunde entsprechen 4 Hz. Die Zahlen beschreiben denselben Takt mit unterschiedlichen Zählweisen: Hertz zählt vollständige Schwingungen pro Sekunde, die Stundenangabe dagegen halbe Schwingungen. [1] Beide Werte sind zunächst Frequenzangaben, keine Gangmessung am Handgelenk.
Eine volle Schwingung besteht aus zwei Halbschwingungen
Die Unruh bewegt sich von einem Umkehrpunkt zum anderen und wieder zurück. Diese vollständige Hin- und Rückbewegung ist eine Schwingung. Nur der Weg von einem Umkehrpunkt zum gegenüberliegenden zählt als Halbschwingung. Witschi unterscheidet hierfür die Begriffe „oscillation“ und „vibration“. [1]
Hz und Halbschwingungen pro Stunde umrechnen
Eine Stunde hat 3.600 Sekunden; jede volle Schwingung enthält zwei Halbschwingungen. Daraus ergibt sich: Halbschwingungen pro Stunde = Hz × 7.200. Umgekehrt gilt: Hz = Halbschwingungen pro Stunde ÷ 7.200. [1]
| Frequenz | Halbschwingungen pro Sekunde | Halbschwingungen pro Stunde |
|---|---|---|
| 2,5 Hz | 5 | 18.000 |
| 3 Hz | 6 | 21.600 |
| 4 Hz | 8 | 28.800 |
| 5 Hz | 10 | 36.000 |
Die Tabelle zeigt Umrechnungen, keine Messergebnisse. Beispiel: 28.800 ÷ 7.200 = 4 Hz; das sind acht Halbschwingungen pro Sekunde. Witschi verwendet für die Stundenangabe A/h, Grand Seiko schreibt vph. [1–2]
Warum die höhere Zahl nicht automatisch den besseren Gang belegt
Ein konkretes Gegenbeispiel liefert die Grand-Seiko-Anleitung: Für die 5-Hz-Kaliber 9S85 und 9S86 sowie die dort zusammengefassten 4-Hz-Kaliber, darunter 9S65, steht beim mittleren täglichen Gang derselbe Bereich von −3 bis +5 Sekunden. [2]
Dieser Wert gehört zur beschriebenen Werksprüfung vor dem Einschalen, in sechs Lagen und unter kontrollierten Bedingungen. Die Anleitung unterscheidet ihn ausdrücklich vom Gang beim tatsächlichen Gebrauch. [2] Es handelt sich weder um eine allgemeine Toleranz für mechanische Uhren noch um eine Zusage für Snyper.
Die redaktionelle Schlussfolgerung lautet deshalb: Für einen Vergleich braucht es neben der Frequenz auch Prüfbedingungen und Ergebnisse. Den Verlauf eines eigenen Exemplars dokumentiert man mit einer festen Referenzzeit; die Vorgehensweise erklärt Gangabweichung einer mechanischen Uhr messen.
Gleiche Frequenz bedeutet nicht gleiche Gangreserve
Grand Seiko beschreibt beim 9S85 den höheren Energiebedarf einer schnell schwingenden Unruh als konstruktive Herausforderung und nennt ungefähr 55 Stunden Gangreserve. [3] Für das ebenfalls mit 5 Hz arbeitende 9SA5 nennt der Hersteller dagegen ungefähr 80 Stunden und erläutert dafür unter anderem eine andere Hemmung sowie zwei Federhäuser. [4]
Die beiden Angaben sind Herstellerwerte zu unterschiedlichen Konstruktionen, kein von uns durchgeführter Laufzeitvergleich. Sie zeigen, weshalb man aus „5 Hz“ allein keine feste Stundenzahl ableiten kann. Ebenso wenig lässt sich damit der heutige Zustand einer gebrauchten Uhr bestimmen.
Frequenzangaben bei historischen Snyper-Werken lesen
Bei einem Archivfund zuerst Werkbezeichnung, Einheit und dokumentierte Ausführung zusammenhalten. Unser Vergleich von Snyper F100 und F101 ordnet die erhaltenen Herstellerangaben den jeweiligen Modellen zu. Eine übereinstimmende Frequenz allein reicht nicht zur Identifikation eines unbekannten Werks.
Auch auf einem Messbericht beantwortet die Schlagzahl eine andere Frage als der angezeigte Gang in Sekunden pro Tag. Wie Frequenz, Amplitude, Abfallfehler und Hebewinkel auseinandergehalten werden, erklärt der Leitfaden Zeitwaage ablesen.
Drei Prüffragen für technische Angaben
- Einheit festhalten. Steht in der Unterlage Hz, A/h oder vph? Eine Zahl ohne Einheit zunächst nicht mit einer anderen vergleichen.
- Kaliber und Quelle zuordnen. Die dokumentierte Ausführung nennen und rechnerische Umrechnung, Herstellerwert und eigene Messung getrennt kennzeichnen.
- Die eigentliche Frage prüfen. Geht es um den Takt des Werks, die Abweichung zur Referenzzeit oder die Laufzeit nach dem Aufziehen? Dafür jeweils die passende Angabe beziehungsweise Beobachtung verwenden.
Quellen und Arbeitsweise
[1] Witschi Electronic: Measuring Technology and Troubleshooting for Watches, Dokument 71.1010D35e, Rel. 1.1, Oktober 2010, Seite 9/55. Hersteller-Schulungsunterlage, hier über einen externen PDF-Spiegel gelesen; Begriffe und Umrechnung.
[2] Grand Seiko: Specifications (Movement), Anleitung zur 9S-Reihe – Frequenzangaben, mittlerer täglicher Gang und Bedingungen der beschriebenen Prüfung.
[3] Grand Seiko: Kaliber 9S85 – Herstellererläuterung zum Energiebedarf und Angabe der Gangreserve.
[4] Grand Seiko: Kaliber 9SA5 – 5 Hz, Gangreserve und konstruktive Maßnahmen.
Quellenstand: 13. Oktober 2026. Der Beitrag erklärt veröffentlichte technische Angaben. Tabelle und Prüffragen wurden redaktionell erstellt; für diesen Beitrag wurden keine Uhren geöffnet, Frequenzen gemessen oder Vergleichstests zum Gang und zur Laufzeit durchgeführt.
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